Aufruf zu „Kein Hass im Ländle“

Landesweit wird ein den Aufruf zu einem breiten Bündnis gegen Rassismus und Gewalt in Baden-Württemberg gestartet: „Kein Hass im Ländle!“

Der Aufruf an die Zivilgesellschaft ist her angehängt.

Die Gründungsversammlung wird am 17.09. 2018, 18 Uhr, bei tgbw, Reinsburgstr. 82, 70178 Stuttgart

„Kein Hass im Ländle!“
Aufruf zum Bündnis und zur Kampagne
Die rassistischen Ausschreitungen in Chemnitz sind schwerwiegende Angriffe auf Menschen, die gezielt aufgrund ihres Aussehens und der Wahrnehmung als „Nicht-Deutsche“ von rechter Gewalt betroffen waren. Sie sind zugleich gravierende Angriffe gegen die Grundpfeiler unserer Zivilgesellschaft, gegen den Rechtsstaat, gegen uns alle! Diese schrecklichen Vorgänge müssen unsere gesamte Gesellschaft alarmieren. Wir müssen agieren um dieser Entwicklung im Blick auf Baden-Württemberg frühzeitig entgegenzuwirken. Die Türkische Gemeinde in Baden-Württemberg e.V., tgbw, ruft deshalb auf zu einem breiten

Bündnis gegen Rassismus und Gewalt in Baden-Württemberg

Wohlfahrtsverbände, Kirchen, Gewerkschaften, Migrantenorganisationen und weitere zivilgesellschaftliche Gruppen sind aufgerufen, sich an dem Bündnis zu beteiligen.

Für das geplante Bündnis gegen Hass sind drei Säulen angedacht:

Eine Öffentliche Kampagne „Kein Hass im Ländle!“
Die Kampagne unter dem Titel „Kein Hass im Ländle!“ soll ein sehr offenes Format sein, so dass sich vielfältige Gruppen mit vielfältigen Aktionsformen einbinden können. Ein Vorbild für diese Kampagne gab es bereits in Baden-Württemberg: nach den rassistischen Übergriffen von Hoyerswerda (Sept.1991), wurde die Kampagne „Kein Hass im wilden Süden“ gegründet, eine der größten antirassistischen Aktionen in Deutschland.
Ziel der Kampagne soll es sein, die demokratischen, zivilgesellschaftlichen Kräfte zu bestärken und deutlich zu zeigen: die Gegner des Hasses sind nicht allein!
In die Kampagne sollen lokale und überregionale Medien eingebunden werden, so dass auch die zahlreichen Vor-Ort-Initiativen gegen Rechts und Projekte in Vereinen, Schulen und Gemeinden gestärkt und vernetzt werden.
Sie alle sollen angeregt werden, als Reaktion auf Chemnitz und andere Übergriffe selber aktiv zu werden, durch vielfältige Ideen, Aktionen, Musik, Texte, Kunst etc..

2. Ein Bündnis für Demokratie und gegen Hass, Rassismus und Gewalt (Arbeitstitel)
Es gibt zahlreiche Organisationen in Baden-Württemberg, die sich für Demokratie und Menschenrechte und gegen Hass, Rassismus und Gewalt einsetzen. Notwendig ist jetzt, dass sie alle stärker wahrgenommen werden und ihr präventives Potential sichtbar machen. Deshalb regen wir an, dass sie sich zu einem landesweiten Bündnis der Zivilgesellschaft zusammenschließen, eine breite Vernetzung erreichen und sich klar und unüberhörbar gegen den Hass stellen. Die Zivilgesellschaft in unserem Land darf sich nicht als „von links gesteuert“ abwerten lassen. Vielmehr muss sie jetzt deutlich machen, dass sie den Freiraum der Demokratie auf vielfältige und kreative Weise zu nutzen weiß, um antidemokratische, rassistische, menschenfeindliche und gewalttätige Bewegungen zu stoppen. Sie muss für alle erkennbar werden lassen, dass sie durch breite, wertschätzende Kooperation Willens und in der Lage ist, eine ernste Krise der Demokratie, wie wir sie gerade jetzt in Sachsen erleben, präventiv zu verhindern. Und sie muss zeigen, dass sie notfalls auch einen friedlichen, aber dennoch klaren, zivilgesellschaftlichen Widerstand bei Vorfällen wie der abscheulichen Menschenjagd in Chemnitz aktivieren kann.
Ein großes zivilgesellschaftliches Bündnis ist auch in der Lage, gesellschaftliche Entwicklungen gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit auszuwerten und zu kommentieren.
Vor diesem Hintergrund fordern wir alle zivilgesellschaftlichen Kräfte auf, sich dem Bündnis anzuschließen und an der Gründungsversammlung teilzunehmen:

17.09. 2018, 18 Uhr, tgbw, Reinsburgstr. 82, 70178 Stuttgart

3. Wichtige Maßnahmen für Betroffene
Die Vorfälle in Chemnitz zeigen auch, dass weiterhin eine deutliche Fokussierung auf die Gruppe der Täter dominiert und sowohl die öffentliche Wahrnehmung als auch die politischen Reaktionen beherrscht. Es ist deshalb wichtig, die Öffentlichkeit für die Perspektive der Opfer zu sensibilisieren. Für die Betroffenen müssen Schutzmaßnahmen erarbeitet und gestärkt werden und es müssen große Anstrengungen für das Empowerment der Betroffenen und ihrer Gruppen unternommen werden. Es bleibt eine wichtige zivilgesellschaftliche und institutionelle Aufgabe, Solidarisierungsprozesse mit Betroffenen von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt zu initiieren.

Gökay Sofuoğlu
Landesvorsitzender
Türkische Gemeinde Baden-Württemberg

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